Was kommt nach dem Tod? Diese Frage beschäftigt Menschen seit Jahrtausenden. Es gibt Überzeugungen, Hoffnungen und unterschiedliche Vorstellungen. Eine endgültige Antwort habe ich nicht.
Seit meiner schweren Covid-Erkrankung und der Zeit im Koma beschäftigt mich allerdings eine andere Frage viel stärker: Was mache ich mit der Zeit davor?
Wir wissen, dass unser Leben endlich ist, und verhalten uns trotzdem oft so, als könnten wir wichtige Dinge beliebig verschieben. Mehr Zeit für die Familie? Später. Einen Menschen wieder treffen? Bei Gelegenheit. Etwas Neues ausprobieren? Wenn es ruhiger wird.
Ich nehme mich da nicht aus. Auch ich habe viele Jahre Unternehmen entwickelt, Verantwortung getragen und Ziele verfolgt. Das hat mir Freude gemacht. Trotzdem frage ich mich heute häufiger, ob wir vor lauter Planung manchmal vergessen, die Gegenwart zu erleben.
Im Berufsleben sprechen wir über Leistung, Erfolg und Wachstum. Der Gedanke an den eigenen Tod verändert den Blick darauf. War ich für die Menschen da, die mir nahestehen? Habe ich Zeit mit Dingen verbracht, die mir wirklich etwas bedeuten? Habe ich meine Möglichkeiten genutzt?
Ich glaube nicht, dass es darauf eine allgemeingültige Antwort gibt. Aber ich glaube, es lohnt sich, diese Fragen zu stellen, solange wir die Möglichkeit dazu haben.
Wenn wir über Sinn sprechen, entsteht manchmal der Eindruck, wir müssten etwas Aussergewöhnliches leisten. Ein grosses Lebenswerk schaffen oder möglichst viele Spuren hinterlassen. Ich sehe das heute gelassener.
Ein gutes Gespräch, ein gemeinsamer Spaziergang, ein unerwartetes Lachen oder einfach Zeit mit Menschen, die einem wichtig sind, können genauso wertvoll sein. Nicht jeder schöne Moment muss produktiv sein.
Natürlich können Unternehmen, Projekte und sichtbare Ergebnisse etwas hinterlassen. Ich glaube aber, dass wir vor allem in anderen Menschen Spuren hinterlassen: durch Begegnungen, Vertrauen, Gespräche und die Art, wie wir miteinander umgehen.
Das ist auch ein Grund, weshalb ich heute gerne Erfahrungen teile – in Referaten, im persönlichen Austausch und dort, wo ich Verantwortung übernehmen kann. Nicht weil ich alle Antworten hätte, sondern weil Gedanken im Austausch weiterwachsen können.
Ich weiss nicht, wie viel Zeit mir bleibt. Das weiss niemand. Aber ich möchte die Ungewissheit nicht nur als Bedrohung sehen, sondern auch als Einladung: neugierig zu bleiben, Menschen bewusst zu begegnen, Verantwortung zu übernehmen und das Leben zu geniessen.
Was nach dem Tod kommt, weiss ich nicht. Aber was ich mit der Zeit davor mache, darauf kann ich jeden Tag eine neue Antwort geben.
Du planst einen Anlass, suchst Verstärkung für ein Gremium oder wünschst dir ein unabhängiges Gegenüber für eine wichtige Frage? Ich freue mich auf unseren Austausch.