In vielen Organisationen wird Vertrauen behandelt, als müsste man es sich zuerst verdienen. Wer gute Leistungen zeigt, bekommt mehr Freiraum. Wer sich bewährt, darf mehr entscheiden. Ich sehe das anders. Vertrauen sollte nicht das Ergebnis guter Führung sein. Es sollte ihr Ausgangspunkt sein.
Das bedeutet nicht, dass wir Menschen blind vertrauen oder auf Klarheit verzichten sollten. Es bedeutet, dass wir ihnen von Anfang an zutrauen, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Die Haltung, mit der wir anderen begegnen, verändert oft bereits die Zusammenarbeit.
In meiner Zeit als Unternehmer habe ich immer wieder erlebt, was möglich wird, wenn Menschen nicht nur Aufgaben erhalten, sondern echte Verantwortung übernehmen dürfen. Wer eine Aufgabe ausführt, kann sich auf Anweisungen verlassen. Wer Verantwortung übernimmt, muss mitdenken, abwägen und Entscheidungen treffen können.
Natürlich funktioniert dabei nicht alles auf Anhieb. Menschen machen Fehler. Sie entscheiden manchmal anders, als ich es selbst getan hätte. Aber wenn ich jede Entscheidung korrigiere, bevor sie wirksam wird, nehme ich ihnen genau das wieder weg, was ich übertragen wollte.
Vertrauen heisst nicht, Menschen allein zu lassen. Gemeinsame Ziele, transparente Informationen, klare Zuständigkeiten und ehrliche Rückmeldungen sind wichtig. Gerade weil Menschen selbst entscheiden, müssen sie wissen, worauf es ankommt.
Ich unterscheide deshalb zwischen Orientierung geben und Kontrolle ausüben. Orientierung hilft, selbstständig zu handeln. Kontrolle kann dazu führen, dass Menschen lieber nachfragen, statt Verantwortung zu übernehmen.
Wenn in einer Organisation wenig Eigeninitiative entsteht, fragen wir oft zuerst, was mit den Mitarbeitenden nicht stimmt. Vielleicht müssten wir häufiger fragen, welche Signale wir ihnen senden. Trauen wir ihnen tatsächlich etwas zu? Oder erwarten wir insgeheim, dass sie vor allem unsere Vorstellungen umsetzen?
Verantwortung beginnt mit Vertrauen. Für mich ist das kein schöner Satz für eine Präsentation, sondern eine Haltung, an der ich mich selbst immer wieder messen muss.
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