Selbstorganisation klingt für manche nach Freiheit, für andere nach Chaos. Für mich trifft beides den Kern nicht. Durch meine unternehmerische Arbeit und die Auseinandersetzung mit neuen Formen der Zusammenarbeit bei Nexplore habe ich mich intensiv mit verteilter Verantwortung beschäftigt.
Dabei wurde mir immer deutlicher: Selbstorganisation ist zuerst eine Frage der Haltung. Ein neues Organigramm kann helfen. Es ersetzt aber nicht das Vertrauen, das es braucht, damit Menschen eigenständig entscheiden.
Man kann Hierarchien reduzieren, Rollen umbenennen und neue Entscheidungsprozesse einführen. Wenn dennoch jede wichtige Frage am Ende bei denselben Personen landet, ist die alte Logik geblieben.
Das gilt auch für Führungspersonen. Wer offiziell Verantwortung abgibt, bei Unsicherheit aber sofort wieder eingreift, sendet eine widersprüchliche Botschaft. Menschen merken schnell, ob ihre Entscheidung tatsächlich zählt.
Selbstorganisation bedeutet nicht, dass jeder einfach macht, was er möchte. Im Gegenteil: Wenn Entscheidungen dezentral getroffen werden, werden gemeinsame Ziele, Informationen und klare Verantwortlichkeiten noch wichtiger.
Für mich gehören Freiheit und Verbindlichkeit zusammen. Freiheit ohne Orientierung überfordert. Orientierung ohne Freiraum erstickt die Eigeninitiative. Das Gleichgewicht ist nicht einfach und muss immer wieder gemeinsam ausgehandelt werden.
Ich glaube nicht an eine Organisationsform, die überall gleich gut funktioniert. Unternehmen unterscheiden sich in Geschichte, Menschen, Aufgaben und Kultur. Was an einem Ort hilfreich ist, kann anderswo wenig bewirken.
Mich interessiert daher weniger das Etikett einer Methode als ihre Wirkung: Können Menschen Verantwortung übernehmen? Lernen sie miteinander? Werden Entscheidungen dort getroffen, wo das Wissen vorhanden ist? Selbstorganisation beginnt nicht beim Verschieben von Kästchen, sondern beim ernst gemeinten Zutrauen.
Du planst einen Anlass, suchst Verstärkung für ein Gremium oder wünschst dir ein unabhängiges Gegenüber für eine wichtige Frage? Ich freue mich auf unseren Austausch.